„Überallfernsehen“ - Der Weg zu perfekten DVB-T-Empfang

Tipps für geeignete DVB-T Antennen


Die Digitalisierung ist seit Jahren das große Thema im TV-Markt. Das Ende der Analogära verspricht bessere Video- und Audioqualität bei gleichzeitig steigender Senderzahl. Da auf den ersten Blick ja nichts gegen digital statt analog spricht, ist es erstaunlich wie schleppend die Umstellung doch von statten geht – zumindest in Deutschland.

Satelliten-, Kabel- und Terrestrisches Fernsehen stehen auf der Digitalisierungs-Agenda. Doch bis jetzt hat es nur Eines geschafft, dem analogen Ade zu sagen und komplett und ohne Simulcast digital zu werden: Das digitale terrestrische Fernsehen, kurz DVB-T. Wir zeigen, wer was empfängt und wie Sie den DVB-T Empfang optimieren können.

Digitalisierung bereits 2008 abgeschlossen

Am 25. November 2008 – immerhin 2 Jahre früher als von der Bundesregierung gefordert -, wurde die Umstellung von analoger auf digitale terrestrische Fernsehverbreitung abgeschlossen. Federführend war dabei die „Task Force DVB-T Deutschland von ARD und ZDF“. Der verantwortliche Leiter Thorsten Mann-Raudies ist sichtlich stolz auf das erreichte: „Mit dem Start von DVB-T im November 2008 in weiteren Teilen Nordbayerns endete gleichzeitig die über 50-jährige Ära der analogen Terrestrik im Fernsehbereich.“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Es ist tatsächlich eine Ära der Fernsehgeschichte, welche mit der Analogabschaltung zu Ende geht. Denn als vor mehr als einem halben Jahrhundert zuerst ein und später mehrere Programme durch den Äther Nachkriegsdeutschlands in die Wohnstuben schwirrten, so waren diese per Antenne zu empfangen - nur per Antenne. Kabel- oder Satellitenübertragung waren noch Zukunftsmusik. Umso bemerkenswerter, dass sich das inzwischen durchaus etwas angestaubte und qualitativ nicht unbedingt hochwertige analoge Antennenfernsehen beinahe unverändert bis ins Jahr 2003 halten konnte.

Im Februar 2003 startete DVB-T (engl. Digital Video Broadcasting Terrestrial) im Großraum Berlin und wurde bis einschließlich 2008 schrittweise ausgebaut. In diesem Zeitraum gingen nach und nach rund 600 analoge TV-Sender und mehr als 8700 Füllsender der öffentlich-rechtlichen und privaten Programmveranstalter vom Netz, 488 DVB-T-Sender erfüllen seitdem die Aufgabe, dass als „Überallfernsehen“ vermarktete digital-terrestrische Fernsehen zu übertragen.


„Überallfernsehen“ - Empfang doch nicht überall?

Laut Bundesnetzagentur, erreicht DVB-T über 90 Prozent aller deutschen Haushalte, welche über eine Dachantenne verfügen. Für ein Drittel der Deutschen soll schon eine Zimmerantenne für einen optimalen DVB-T-Empfang ausreichend sein. Für die Übertragung wir der schon etwas in die Jahre gekommene MPEG2-Codec verwendet, welcher auch bei DVD’s angewandt wird - da allerdings mit deutlich höherer Datenrate. Der Frequenzbereich welcher früher für die Übertragung eines analogen Programms genutzt wurde, kann nun bis zu 4 Programme in einem so genannten „Multiplex“ mit einer Kapazität von etwa 12 bis 20 Mbit/s fassen. Die verfügbare Datenrate pro Sender schrumpft so auf etwa 3-5 Mbit/s, zum Vergleich: DVD’s arbeiten mit Komprimierungsraten von etwa 10 Mbit/s. Die Folge sind Artefakte und Unschärfen, welche besonders bei Sportübertragungen und Actionfilmen augenfällig werden. Zwar gibt es Verfahren durch Verschiebung der Kapazitäten der Sender im Multiplex untereinander solcherlei Sendungen den „Bandbreiten-Vorzug“ zu lassen, diese werden aber in der Praxis eher selten angewendet – Unschärfefilter und Auflösungs-Reduzierung sind eher die Regel.



Der deutlich bessere und auch schon zu Beginn der DVB-T-Umstellung vorhandene MPEG4-Codec findet bisher lediglich in einigen Ballungsräumen Verwendung. Vor allem um Lizenzgebühren zu sparen, entschied man sich 2003 auf MPEG2 zu setzen. Um sowohl Qualität als auch Quantität der Sender in Zukunft erhöhen zu können, zeichnet sich jedoch ein Trend Richtung MPEG4 ab, und auch eine eventuelle Übertragung von HD-Sendern via DVB-T ist wohl aufgrund des deutlich höheren Datenvolumens nur mit diesem Verfahren sinnvoll. Ob und wann diese Codierungsmethode flächendeckend eingesetzt wird, ist bisher noch unbekannt.

Doch zurück zum DVB-T-Empfang. Entscheidet man sich als geneigter TV-Zuschauer für den terrestrischen Weg, so ist zuallererst ein geeignetes Empfangsgerät Voraussetzung. Wie bei Kabel oder Satellit wird ein Receiver benötigt, um die Programme auf den Fernseher zu bringen. Neben klassischen DVD-Player-großen Geräten, gibt es inzwischen auch Kleingeräte, welche direkt mittels Scart-Buchse an der Rückseite des Fernsehers befestigt werden. Viele moderne Flachbildgeräte haben auch schon einen DVB-T-Tuner integriert oder erlauben die Nachrüstung eines solchen. Interessant ist DVB-T auch für Computernutzer: per simplem USB-Stick und mitgelieferter Software kommt das Fernsehprogramm auf den PC.

In nur zwei Schritten zum Empfang von DVB-T

Egal für welches Gerät sie sich entscheiden, an einer Frage kommen sie nicht vorbei: Die der Antenne. Welche ist für ihre Wohnlage oder den Ort, an dem sie gerade bequem mit dem Laptop Fernsehen schauen möchten geeignet?

Schritt 1: Informieren über den Empfang
Bevor Sie sich für die für sie passende Antenne entscheiden, sollten sie sich grob über die Empfangslage an ihrem Aufenthaltsort informieren. Am einfachsten geht das über die Internetseite des DVB-T-Konsortiums unter www.ueberallfernsehen.de. Detaillierte Karten geben Aufschluss, ob sie mit Zimmerantenne oder Dachantenne am besten beraten sind. Als Faustregel gilt hierbei: Je stärker das Empfangssignal, desto geringer ist der Antennenaufwand. Entscheidenden Einfluss darauf haben vor allem Topographie, Bebauung und die Entfernung von der Sendeantenne.

Schritt 2: Kauf und Installation der passenden Antenne
Grundsätzlich unterscheidet man beim DVB-T-Empfang vier verschiedene Antennenarten:

1) Passive Zimmerantenne,
2) Aktive Zimmerantenne,
3) Außenantenne,
4) Dachantenne

In Städten und urbanen Gebieten reicht oft bereits eine passive Zimmerantenne in Stabform, welche vor allem bei USB-DVB-T-Sticks meist bereits mitgeliefert wird. Ist der Empfang damit nicht möglich oder zufrieden stellend, so ist eine aktive Antenne die nächste Wahl. Hier wird das Signal mittels Netzspannung verstärkt, und so kann unter Umständen auch bei schlechtem Empfang noch eine gute TV-Qualität gewährleistet werden. Bei manchen Modellen ist die Stromspeisung auch über den Receiver möglich.

Allerdings ist die Verstärkung nicht immer die passende Lösung, denn Störungen und Hintergrundrauschen werden auch mitverstärkt. Zu empfehlen sind deswegen Geräte, welche die individuelle Einstellung der Intensität der Verstärkung erlauben. Auch ein Wechsel der Bauform (z.B. von Stabantenne auf köcherförmige Antenne) kann hilfreich sein.

Der Empfang bei passiven und aktiven Zimmerantennen ist außerdem stark standortabhängig. Dicke Wände oder elektromagnetische Felder - beispielsweise durch Elektrogeräte verursacht -, können hier zu Beeinträchtigungen führen. Das Aufstellen der Antenne in Fensternähe ist daher ratsam. Außerhalb von Ballungsräumen ist der Empfang zumeist nicht so einfach, etwas mehr Aufwand nicht zu vermeiden. Eine am Haus oder auf dem Balkon angebrachte Außenantenne kann Abhilfe schaffen. Der Standort sollte im besten Fall in Richtung Sender gewählt werden, in einigen Fällen können aber auch Reflexionen an anderen Gebäuden zu guten Empfangsergebnissen führen – Am besten einfach ausprobieren.

Bei aktiven Außenantennen wird zusätzlich Stromversorgung nötig. Um Löcher in der Hauswand zu vermeiden, gibt es spezielle Flachkabel, welche durch den Fensterrahmen geführt werden können.

Letzte und aufwendigste Lösung ist die Installation einer Dachantenne – diese gewährleistet bis auf wenige Ausnahmen fast bundesweit einwandfreien DVB-T-Empfang. Eine Richtantenne – entweder unter oder auf dem Dach -, muss auf den jeweiligen DVB-T-Sender ausgerichtet werden. Außerdem muss die Polarisation des Senders (horizontal oder vertikal) beachtet werden.

Ist in Ein- oder Mehrfamilienhäusern noch eine Dachantenne aus analog-terrestrischen Zeiten installiert, kann diese meist ohne weiteres wieder verwendet werden. Lediglich eventuell vorhandene Verstärker sollten ausgebaut werden, sie werden in der Regel nicht benötigt.

Egal für welche Antennenvariante man sich entscheidet, den idealen Empfangsstandort gibt es nicht. Um allerdings das Beste herauszuholen, lohnt es sich Zeit in die Auswahl der Antenne und den Standort zu investieren. Geringfügige Veränderungen können den Empfang oft entscheidend verbessern.

Weiterführende Links:

Einführung zu DVB-T
DVB-T Verfügbarkeit prüfen




Alle Informationen fundieren auf sorgfältigen Recherchen. Dennoch ohne Gewähr auf Richtig- und Vollständigkeit!
© IPTV-Anbieter.info