Münchner Medientage

Neue Studie zeigt auf, dass der elektronische Programmführer (EPG) zum unverzichtbaren Entertainment Cockpit wird


November 2009: Wenn die Prominenz aus Medien, Print und Online sich ein Stelldichein gibt, dann hat die Stunde der Münchner Medientage geläutet. Dieses Jahr zum 23. Mal in Folge schlugen vom 28.-30. Oktober Hunderte Experten aus der Medien- und Kommunikationsbranche ihre Zelte in der bayrischen Landeshauptstadt auf, um an der Quelle die neusten Entwicklungen aus der Branche aufzusaugen.

IPTV-Anbieter.info wollte wissen, was es für Neuigkeiten im Bereich der elektronischen Programmführer der Zukunft (EPGs) gibt. Dies erfahren Sie im Folgenden sowie in unserem Interview mit dem Studienverantwortlichen Mathias Birkel – zum selben Thema hatten wir kürzlich auch ein Gespräch mit Ned Wiley von Axel Springer.

Eine neue Studie zeigt auf, wohin sich bis 2014 der Markt entwickelt – die Post geht (endlich) ab!

Unter dem Motto „Programmnavigation 2014: Perspektiven, Pläne und politischer Sprengstoff um den EPG der Zukunft“ diskutierten Fachspezialisten an einem Panel, was in den nächsten fünf Jahren mit den elektronischen Programmführern passieren wird.

Einleitend präsentierte dazu Dr. Klaus Goldhammer von der Goldmedia GmbH eine neue Studie mit dem Titel „EPGs in Europa 2014“. Diese widmet sich dem Entwicklungspotenzial der elektronische Programmführer, zeigt den aktuellen Status, die erwarteten Trends sowie die Entwicklungspotenziale von EPGs bzw. Entertainment-Navigatoren in Westeuropa auf.


„Die Entwicklung von hochwertiger Programm- und Entertainment-Navigation steht derzeit in Deutschland noch am Anfang“, fasst Goldhammer die Untersuchungsergebnisse zusammen. „EPG-Innovationen entstehen nicht nur auf den Plattformen der Pay-TV-, IPTV und Kabelnetzbetreiber. Durch das Zusammenwachsen von TV und Internet (Stichwort HbbTV) sowie durch konvergente Endgeräte wie die Spielekonsolen der neuesten Generation drängen auch Global Player wie Apple, Google oder Microsoft in die Wohnzimmer. Damit befinden sich Anbieter aus TV, Online und Consumer Electronics in einem spannenden Wettlauf um die zentrale Position im vernetzten Heim.“

Die Studien-Erhebung wurde mit Unterstützung der PPS Presse-Programm-Service GmbH durchgeführt. Dabei wurden Prognoserechnungen, qualitative Erhebungen und Einschätzungen von führenden Betreibern, Technologiedienstleistern sowie den Anbietern von Programmdaten zusammen getragen. Außerdem wird in der Studie die europaweite und nationale Regulierung im Detail unter die Lupe genommen, und auch was der TV-Industrie und deren Konsumenten für Chancen und Gefahren lauern. „Mit der Quantität und Qualität der verfügbaren Metadaten der Programme und Angebote steigt die Leistungsfähigkeit und Attraktivität des EPGs- bzw. Entertainment-Guides“, verlautbart der Geschäftsführer der Presse- Programm-Service GmbH (pps), Christian Töpper. „Die Bedeutung der Programmdaten wird zukünftig noch stark zunehmen, da sie nicht nur die Grundlage für etablierte EPG-Features wie Suchfunktionalitäten bilden, sondern die Basis für Personalisierungsfunktion oder automatisierte Empfehlung über Recommendation Engines sind.“

Entertainment Guides fassen Angebote in einem Cockpit für Benutzer zusammen

Mathias Birkel
Aus dem Elektronischen Programmführers (EPG) wird der persönliche „Entertainment Guide“ für jeden Benutzer. Dieser bietet nebst einer übersichtlichen Navigation insbesondere ein attraktives Design und motiviert dazu, neue Inhalte zu entdecken – ganz nach dem Ansatz von beeTV. Intuitiv soll die Benutzerführung sein, wie das Apple mit dem iPhone schon vorgemacht hat. Und natürlich sollen die Inhalte für den Benutzer relevant sein. EPGs entwickeln sich damit von einem Nischenprodukt zu einem massentauglichen Werkzeug für alle Benutzergruppen.

Natürlich umfasst dieser Entdeckerdrang das ganze Universum an digitalen Inhalten, diese verschmelzen zu einem einheitlich navigierbaren Inhaltssammelsurium. Dabei werden klassisch-linear ausgestrahlte Programme, zeitversetzte „Catch Up“ Inhalte, TV über das Web sowie die gesamte Entertainment-Bibliothek des Nutzers mit Video on Demand und Co. über eine zentrale Navigationsoberfläche gesteuert. Laut der europäischen audiovisuellen Informationsstelle buhlen bereits mehr als 2700 TV-Programme sowie rund 700 „Catch Up“-TV und Video-on-Demand-Portale in Europa um die Gunst der Konsumenten.

Der Markt wächst – 2014 haben ¾ der Westeuropäer ein EPG

Dabei wächst der Markt in Westeuropa um jährlich 20 Prozent, in Deutschland von derzeit 5 Millionen auf 23 Millionen Benutzer im Jahre 2014. Magere fünf Millionen Haushalte (13% der TV-Haushalte) in Deutschland verfügen heute über einen EPG, aber schon 2014 wird mehr als jeder zweite deutsche Haushalt ein solches sein Eigen nennen - in ganz Westeuropa sind es dann sogar schon drei Viertel aller TV-Haushalte!

Bleiben wir bei den Zahlen: Der Erlös aus diesem Wirtschaftsbereich betrug 2008 in Westeuropa insgesamt rund 156 Mio. Euro. Laut Prognose der Studie werden sich die Umsätze bis 2014 auf 450 Millionen Euro fast verdreifachen. Als zentrale Schnittstelle zum Kunden wird der EPG insbesondere auch Bezahldienste wie Pay-TV, Games, Musik und den Kauf von Waren ermöglichen, was aus indirekter Betrachtung weitere Erlöse im Milliardenbereich zur Folge hat.

Fazit: Wir stehen erst am Anfang & Rennen um den 1. Platz im Wohnzimmer läuft!

Es ist offensichtlich, dass hier eine zentrale Kommunikations- und Marketingplattform entsteht. Diese wird durch Plattformbetreiber und Content-Anbieter in Beschlag genommen werden, damit gezielt die für den Benutzer relevanten Inhalte angeboten werden. Und natürlich wird dabei das Ganze mit passender Werbung untermalt. Sky, Kabel Deutschland, Astra und künftige „hybride“ Player wie Vodafone werden ihre Angebote entsprechend forcieren. Dabei werden sie versuchen, den Benutzer an ihre Marke zu ketten.

Auch soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Konsorten drängen auf die Mattscheibe - wie dies übrigens heute in dem stark wachsenden US-Markt bereits mit FIOS TV von Verizon der Fall ist. Damit erhalten auch Programm-Empfehlungen von Freunden und Bekannten einen neuen Stellenwert. Die soziale Interaktion wird vom Computer weg verlagert, hin in die Wohnstube auf den Fernseher.

In Europa sind insbesondere Großbritannien, Frankreich und die skandinavischen Märkte führend und bieten eine Vielzahl an attraktiven EPG Lösungen an. Deutschland wird im europäischen Vergleich dabei auf die hinteren Plätze verwiesen, was auf die geringe Penetration von Digital-TV und Pay-TV zurückzuführen ist. Doch wer die Deutschen kennt, der weiß: Die sind immer für eine Überraschung gut!

Infos und Quellen:

Website der Münchner Medientage
Website von Goldmedia
• Pressemitteilung Goldmedia: Prognose 2014 EPG-Nutzung (pdf)
• Pressemitteilung Goldmedia: Per EPG durch die digitale Welt
• Pressemeldung Goldmedia: Digital Trend EPG Studie 2014 (pdf)
• Pressemitteilung Goldmedia: EPGs - ein unterschätzter Markt


Alle Bilder dieses Artikels: Quelle Goldmedia


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