Mit dem startenden Regelbetrieb der öffentlich-rechtlichen Programme ARD und ZDF im Februar 2010 (wir berichteten), scheint es nun offenbar kein zurück mehr zu geben. HDTV wird der neue Standard für Fernsehübertragung in Deutschland.
In anderen Industrieländern ist die Entwicklung von SD (Standart Definition) zu HD schon längst über die Bühne gegangen, zahlreiche Sender in Japan, den USA oder auch Brasilien strahlen ihr Programm schon seit Jahren in HDTV aus, zum Teil parallel zur SD-Ausstrahlung, zum Teil ausschließlich in HD. Mehr und mehr deutsche Haushalte sind inzwischen mit den passenden Fernsehgeräten und Peripherie ausgestattet, mit Blu-Ray ist das passende Speichermedium auf dem Markt und alle gängigen Übertragungswege bieten inzwischen die passenden Bandbreiten – es läuft gut für das neue Format. Nach und nach werden wohl alle Fernsehsender in HD senden.
Die öffentlich-rechtlichen Sender konzentrieren sich dabei zuerst auf ihre Hauptprogramme ARD HD und ZDF HD, weiterhin sendet der Kulturkanal arte hochauflösend. Die Dritten- sowie die Digitalprogramme werden auf ihre Umstellung wohl noch warten müssen. Grund sind die Kosten – derzeit werden die Sender in zwei Versionen übertragen: Analog SD und Digital SD. Mit der digitalen HD-Ausstrahlung würde ein dritter Vertriebsweg hinzukommen, und das für insgesamt rund 20 Sender.
Das leistet man sich bis zur geplanten Analogabschaltung nur für die Hauptprogramme und das deutsch-französische Prestigeobjekt arte, wie Tobias Schwan vom ZDF bestätigt: „Das heißt für das inhaltlich gleiche Programm müssen drei verschiedene Verbreitungsarten finanziert werden. In diesem Zusammenhang ist der HD-Start von weiteren Programmen des ZDFBouquets nicht vor der Beendigung der analogen Satellitenausstrahlung geplant.“ Grundinvestitionen in den neuen Übertragungsstandard sind aber bereits zumindest bei allen ARD-Anstalten getätigt, produzieren die Sender doch gemeinsam das Hauptprogramm DasErste und der MDR müssen so mit HD-Technik ausgestattet sein. Allen voran der Mitteldeutsche Rundfunk, welcher für die Übertragung der Olympischen Winterspiele in Vancouver verantwortlich ist - natürlich in HD. Früher oder später werden also alle öffentlich-rechtlichen Programme in High Definition senden.
Auch die großen deutschen Privatsender gehen den Weg in eine hochauflösende Zukunft. Die zwei größten deutschen Fernsehkonzerne, RTL und die ProSiebenSat.1-Gruppe, haben sich für eine HD-Ausstrahlung entschieden.
RTL HD und VOX HD sind bereits seit November 2009 über das Satellitenangebot HD+ des Betreibers SES Astra, und in einigen Kabelnetzen zu empfangen. Im Februar 2010 folgen ProSieben HD, Sat.1 HD und kabeleins HD. Dazu Andre Prahl, verantwortlich für die Programmverbreitung der Mediengruppe RTL Deutschland: "Wir glauben, dass HD ein Mehrwert ist, in dessen Genuss viele Zuschauer gerne kommen wollen. Daher investiert die Mediengruppe RTL trotz wirtschaftlich angespannter Zeiten in dieses Projekt, um dadurch Fernsehen für die Zuschauer und damit auch für die Werbekunden noch attraktiver zu machen.“
Doch was wird aus RTL 2, SuperRTL, ntv und N24? Dass diese Sender in nächster Zeit über einen HD-Einstieg nachdenken müssen, ist wohl durch den technischen Fortschritt und die steigenden Bildqualitätsansprüche der Zuschauer bedingt. Auf Anfrage teilten jedoch die jeweils zuständigen Sendergruppen mit, dass derzeit noch keine konkreten Termine bekannt sind.
Eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung offenbart auch warum. Diese fällt wohl eher zu ungunsten des neuen hochauflösenden Fernsehens aus, denn enorm höheren Investitions-, Produktions- und Verbreitungskosten, zumal wenn diese Verbreitung parallel zur SD-Übertragung stattfindet, steht lediglich der Mehrwert der Zuschauer aber nicht unbedingt der der Sender gegenüber. Privatsender sind werbefinanziert und steigende Werbeeinnahmen sind auch mit technischen Neuerungen vorerst nicht zu erwarten. So könnten vor allem die fehlenden Finanzen zum Bremsklotz für die HD-Umstellung werden.
Um Kosten und Aufwand zu reduzieren, wird sowohl von öffentlich-rechtlicher, als auch von privater Seite ein Komplettausstieg aus der analogen Fernsehübertragung anvisiert. Der Zeitpunkt ist allerdings strittig und je nach Übertragungsweg unterschiedlich. Am weitesten ist die Entwicklung in der terrestrischen Übertragung: Bereits im Jahr 2003 startete in Berlin in einem Pilotprojekt die Übertragung per DVB-T bei gleichzeitiger Abschaltung der analog-terrestrischen Verbreitung.
Mittlerweile können nach Angaben des offiziellen DVBT-Portals (ueberallfernsehen.de) etwa 90 Prozent aller deutschen Haushalte das digitale Antennenfernsehen empfangen. Eine Karte mit Darstellung der Verfügbarkeit von DVB-T in Deutschland schafft schnell Orientierung. Geht es nach dem Willen der EU-Kommission, sollen die letzten analog-terrestrischen Sender spätestens bis Mitte 2012 abgeschaltet werden, um die frei gewordenen Frequenzen anderweitig zu nutzen. "Je eher wir den Übergang zum Abschluss bringen, um so rascher werden unsere Bürger und Unternehmen daraus Nutzen ziehen", so die zuständige EU-Kommissarin für Medien und Information Viviane Reding.
Ob und wann HDTV via DVB-T übertragen wird steht derzeit noch in den Sternen, entsprechende Tests laufen derzeit in Großbritannien und Frankreich. Laut Digitalisierungsbericht der ZAK (Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten), nutzten 2009 11,3 Prozent der deutschen Haushalte DVBT. Mehr Informationen, ob und wie Sie am besten DVB-T empfangen können, erfahren Sie in unserem Special "DVB-T Empfang".
Deutlich mehr Nutzer schauen via Satellit fern. 42,1 Prozent der deutschen Haushalte nutzten 2009 diesen Verbreitungsweg. Davon entfallen rund dreiviertel auf den digitalen Empfang, das entspricht in etwas 12 Millionen Haushalten – Tendenz steigend. Um teure Dopplungen im Simulcast (gleichzeitige analoge und digitale Übertragung) zu beenden, soll spätestens im April 2012 der Komplettausstieg aus der analogen Satellitenübertragung über die Bühne gehen. Bis dahin erwarten Experten eine nahezu flächendeckende Versorgung der Haushalte mit entsprechenden Receivern.
Weiterer Vorteil der Umstellung: Frei werdende Übertragungskapazitäten können den wachsenden Bandbreitenbedarf, welcher durch HD-Übertragung entsteht kompensieren, heißt es in einer Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft Digitalisierung: „Durch die vollständige Umstellung auf digitale Übertragung können wertvolle Ressourcen effizienter genutzt sowie die Übertragungsqualität und Vielfalt der Programmangebote erhöht werden. Gerade für die Übertragung von Inhalten im High Definition Standard HDTV wird künftig mehr Datenrate benötigt.“
Dritter im Bunde der klassischen TV-Übertragungswege ist das Kabelfernsehen. Im Digitalisierungsvergleich bildet es das Schlusslicht gegenüber den anderen Technologien. 52,8 Prozent aller deutschen Haushalte nutzten 2009 Kabelfernsehen, davon lediglich 16,2 Prozent digital. Zwar sind inzwischen fast alle großen Kabelnetzbetreiber technisch im Stande, digitales Fernsehen anzubieten, doch liegen immer noch einige Stolpersteine auf dem Weg zur Volldigitalisierung der Kabelhaushalte.
Zum einen beweisen Studien, dass viele Nutzer das analoge Sender- und Qualitätsangebot als ausreichend ansehen, und nicht in Receiver investieren wollen, welche bei analogem Kabelempfang nicht nötig sind. Außerdem ergaben Umfragen, dass viele Haushalte gar nicht wissen, dass ihnen theoretisch digitales Kabelfernsehen zur Verfügung steht. Überdies waren viele Kunden der Meinung, ihr bisheriges Fernsehgerät wäre mit Digitalfernsehen inkompatibel. Eine breite Aufklärungskampagne seitens der Kabelnetzbetreiber scheint also von Nöten. Diese verwirren unterdessen mit ihren teils widersprüchlichen Aussagen über die zukünftige Ausstattung ihrer Netze, allen voran Kabel Deutschland. Der Netzbetreiber möchte sich weder klar für eine Einspeisung von HD-Kanälen aussprechen, noch einen konkreten Termin für den Analogausstieg nennen. Man begründet dies mit dem angeblichen Willen der Nutzer.
Es stellt sich allerdings die Frage, ob es in Zukunft überhaupt noch nennenswert große Nutzerkreise geben wird, die sich für analogen Empfang interessieren. Unabhängig davon forciert die deutsche Bundesregierung den Analogausstieg im Kabelnetz für 2012.
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