4K Ultra-HD | Ratgeber

Alles zum ultrascharfen HD-Nachfolger


Hochauflösendes Fernsehen, kurz HD, ist spätestens seit 2014 omnipräsent. Kaum noch ein TV-Sender strahlt nur noch SD aus, sondern bietet auch eine HD-Variante. Blu-Rays zaubern superscharfe Hollywoodblockbuster in Full-HD (1920x1080) auf die Flatscreens der Verbraucher. Die wenigsten Haushalt dürften heute ohne HD-Flachbildfernseher ausgestattet sein. Doch Sättigung ist der Tot der Konsumgesellschaft und so forciert die Unterhaltungsindustrie bereits seit einiger Zeit den Nachfolgerstandard, welcher natürlich noch schärfere und bessere Bilder ins Wohnzimmer zaubert. Die Rede ist von Ultra HD, auch 4K genannt. Doch was steckt genau dahinter, lohnt der Umstieg schon, welche Quellen gibt es und gibt’s das auch per IPTV? Dies und mehr, zeigt unser großer 4K-Ratgeber im Folgenden.



Was bietet Ultra HD / 4K?

Bevor wir die Vorteile vorstellen, wollen wir zunächst kurz die Begrifflichkeiten abgrenzen. Der HD-Nachfolger wird allgemein als Ultra-HD bezeichnet, was gelegentlich mit UHDTV abgekürzt wird. Auch „4K“ ist geläufig und deutet bereits den ersten elementaren Vorteil gegenüber dem Vorgänger an. Die Auflösung ist nämlich bis zu 4 Mal so hoch wie bei HD. Statt „nur“ 2 Millionen Bildpunkten, lösen 4K-Fernseher mit bis zu 8 Millionen Pixeln auf. Genauer gesagt, rund 8.3 Millionen, da das UHD-Format in der ersten Phase 3840x2160 Bildpunkte vorsieht.

4K vs. HDTV

Der Sprung in puncto Schärfe ist also genau so gewaltig, wie damals von SD zu HD. Und wer sich an sein erstes HD-Erlebnis erinnert, wird wahrscheinlich ähnlich begeistert sein von der Schärfe und Brillanz. Doch nicht nur die Schärfe nimmt zu – auch Farbtiefe, Kontrastumfang und Bildwiederholfrequenz wurden optimiert.

Einführung in Evolutionsstufen – 3 Phasen!?

Die Industrie konnte sich lange Zeit nicht auf einen einheitlichen UHD-Standard einigen. Immerhin verabschiedete das „Digital Video Broadcasting Consortium“ Mitte 2014 nun endlich erste Parameter. Demnach wird es wohl eine sukzessive Einführung in Phasen, mit stufenweisen Verbesserungen geben, was auch technisch bedingt ist. Die erste Phase entspricht dem heutigen Standard, also 3840x2160 bei 50 bis 60 Bildern pro Sekunde und 10 Bit Farbtiefe. Erst Phase 2 repräsentiert dann streng genommen „echtes“ UHD mit bis zu 120 Hz, bis 12 Bit Farbtiefe und HDR-Kontrastumfang. Dieser wird aber nicht vor 2017 erwartet. Übrigens: Auch die Tonstandards werden überarbeitet. UHD-1 Phase 2 soll bis zu 22.2 kanal-fähig sein. Man würde also unglaubliche 22 Boxen benötigen. 9 vorne, 10 in Ohrhöhe, 3 vorne unten und 2 Basseffekte.

UHD-Feature / Version Ultra HD1 Ultra HD1 Ultra HD2
Phase Phase 1 Phase 2
Phase 3
Einführung
aktuell
ab ca. 2018
> 2020
Auflösung bis
3840 x 2160
3840 x 2160
4320 x 2160
Megapixel
8,29 Mio.
8,29 Mio.
9,33 Mio.
Bildwiederholfrequenz
50 bis 60 Hz
100 bis 120 Hz
100 bis 120 Hz
Kontrastumfang
normal
HDR möglich
HDR möglich
Bit-Tiefe Farbraum 10 Bit 10-12 Bit 10-14 Bit
Kompressionscodec ideal H.265/HEVC H.265/HEVC ??
Farbraumstandard BT. 709-5 (Rec 709) BT.2020 (Rec 2020) ??


HDTV vs. Ultra HD

Viele Fernseher aber kaum 4K-Inhalte

Der bisherige Stand ähnelt sehr der Einführung von HD. Zunächst gab es viele Jahre passende Endgeräte ohne aber ausreichend hochauflösendes Material. Etliche Verbraucher hatten damals schon HD-Fernseher zuhause stehen, ohne dass auch nur ein Sender HD-Inhalte anbot. Erste Vorreiter waren diverse Demosender per SAT und einige DVDs bzw. Bluray-Discs. Und die Geschichte wiederholt sich anscheinend exakt nach dem selben Muster...

Screenshot Saturn.de: UHDTVs werden immer günstiger

Denn ähnlich verhält es sich bis dato in punkto 4K. Wer heute einen Elektromarkt betritt, findet bereits vororangig UHD kompatible Fernseher vor. Und auch beim Preis gibt es nichts zu meckern. Schon Ende 2014 gab es erste Modelle für unter 600 Euro, wie der Screenshot rechts von Saturn demonstriert.

Mittlerweile sind sogar noch günstigere Modelle im Handel erhältlich. Die Preisunterschiede schmelzen also zunehmend. Aber Achtung: Nicht jedes Modell ist auch zukunftssicher - denn noch befindet sich die 4K-Technik im Wandel. Mehr dazu erfahren Sie weiter unten im Abschnitt zur Zukunfssicherheit.

Ultra HD Bluray-Player

2015 wurde die Ultra-HD Blu-ray (UHD-BD) offifiziell standardisiert und erste Titel sind schon verfügbar, wie wir etwas weiter unten hier im Spezial zeigen. Die Spezifikationen sind beindruckend: UDH-Discs werden mit zwei bis drei Schichten bespielt und fassen so bis zu 100 Gigabyte Daten. Zum Vergleich: Eine Standard DVD kann um die 5 GB beherbergen, also ein Zwanzigstel. Dank der höheren Speicherdichte, können sowohl Bildwiederholrate, Farbraum (BT.2020), als auch Kontrast (HDR) erheblich gesteigert werden. Als Videocodec wird das moderne H.265 verwendet - samt HDCP 2.2 Kopierschutz. Voraussetzung für das Abspielen einer UHD-Disc ist, neben einem kompatiblen, neuen Player, auch ein Fernseher ab HDMI 2.0 Schnittstelle.

HDMI Kabel

"Normale" Blurayplayer können noch keine UHD-Medien abspielen. Erste Player gibt mit dem DMR-UBZ1 von Panasonic seit Ende 2015 - ein recht teures Modell, was zudem in Deutschland noch nicht erhältlich ist. Samsung hat mit dem UBD-K8500 erstmals einen günstigen Abspieler für unter 500 € auf den Markt gebracht. Doch auch dieser ist in Deutschland noch nicht verfügbar.

Übrigens: Die meisten Geräte bieten eine Art Notlösung durch Upscaling. Dabei wird das Full-HD-Signal auf 4K hochgerechnet, was aber nicht wirklich nennenswerte Vorteile bringt. Bis es „echte“ 4K-Player in ausreichender Auswahl und zu günstigen Preisen gibt, wird es leider noch eine Weile dauern.

UHD-Fernseher sind Aushängeschilder nicht nur  beim Mediamarkt

Gibt es überhaupt schon UHD-Inhalte?

Erste zarte Pflänzchen gibt es tatsächlich. So finden sich auf Youtube einige Clips, wie z.B. Kinotrailer. Hier ein Beispiel, welches aber verständlicher Weise nur auf einen UHD-Monitor (für den PC schon länger erhältlich) Vorteile bringt. Die Satellitenbetreiber Astra und Eutelsat senden ein Demo-Kanal. Doch ohne UHD-Receiver sind diese schlichtweg noch nichts wert. Netflix und Amazon experimentieren dagegen bereits länger mit 4K für ihre Video-on-Demand-Plattformen. Das Netflix-Eigenformat „House of Cards“ wird beispielsweise seit Mitte 2014 auch in 4K abgefilmt. Sky präsentierte im Oktober 2016 erstmals Bundesliga Spiele in UHD.

4K auch bei diversen Onlinevideotheken verfügbar

4K Titel auf Bluray

Führende Studios, wie Sony oder 20th Century Fox, bieten mittlerweile ein recht anschauliches Spektrum an BluRay-Titeln, welche in 4K gemastert sind. Da wären beispielsweise zu nennen: Spider-Man 2; Schlümpfe 2; Kingsman, Chappi und viele mehr.

Studie: Kaum einer kennt 4K - noch!

Auch hier gibt es wieder eine enge Parallele zur Einführung von HD. Noch Jahre, nachdem die ersten TV-Geräte und Sender starteten, war den meisten Verbrauchern der Begriff HDTV völlig fremd. Mittlerweile dürften die vier Buchstaben ähnlich geläufig sein wie „DSL“. Ein Studie der „The Diffusion Group“ vom Sommer 2014 ergab beispielsweise, dass bisher kaum ein Verbraucher (83 Prozent) etwas mit „4K“ oder „Ultra HD“ in Verbindung bringen kann. Und selbst wenn, schreckt noch der hohe Preis ab.




Gigantische Datenmengen

Trotz modernster Kompressionsverfahren sind die Datenmengen, welche UHDTV generiert, gigantisch. Etwa Faktor 10 gegenüber einem HD-Film! Ein Film von 90 Minuten Länge belegt selbst in Ultra-HD1 rund 75 Gigabyte, also 1,5 randvolle Dual Layer Bluray-Discs oder 16-17 randvolle normale DVDs! Je nach Kompressionsgrad, versteht sich. Der offizielle UHD-Blueray-Standard sieht Discs mit bis zu 100 GB und maximal 3 Lagen vor. Und die Video-On-Demandportale? Netflix gibt z.B. 7 GB/h an, komprimiert also scheinbar recht stark. Videokameras nehmen ungefähr mit 50 Mbps auf, also rund 6 MB/s. Das entspräche 45 GB pro Stunde.

IPTV und Ultra HD

Trotz der gewaltigen Datenraten rechnen Experten damit, dass Ultra-HD-Inhalte vor allem via IPTV oder Video-on-Demand in die Haushalte finden werden - also per Streaming. Wie schon erwähnt, arbeiten praktisch alle namhaften VoD-Anbieter an entsprechenden Inhalten bzw. bieten erste an. Vodafone bietet seit Anfang 2016 sogar eine neue IPTV-Box, die 4K-fähig ist - das "TV Center 2000"

4K IPTV-Receiver Vodafone (TV Center 2000)

Voraussetzungen für Ultra HD via IPTV

Unabdingbar ist zunächst die Verwendung des neusten Kompressionsstandards H.265/HEVC. Nur so lassen sich die Datenströme bei adäquater Qualität auch über relativ langsame Breitbandleitungen transportieren. 15-16 MBit/s wären in stark komprimierter Form ausreichend, also fast noch DSL-tauglich. Für Top-Qualitäten dürften aber 50 MBit, also schnelles VDSL, die Mindestvoraussetzung sein. Allein schon, weil sonst der Internetanschluss beim Fernsehen komplett ausgelastet wäre. Netflix gibt auf seiner Homepage 25 MBit als Untergrenze für 4K-Streaming an. VDSL, schnelles Kabel-Internet oder Glasfaser ist immerhin in immer mehr Haushalten verfügbar. Bis 2018 will die Telekom mit VDSL rund ¾ aller Kunden erreichen.

Voraussetzungen allgemein

Fassen wir also zusammen. Für Ultra-HD benötigt man im Wesentlichen zwei Dinge. Einmal ein 4K-TV-Gerät und eine Quelle. Diese dürfte vorerst primär das Internet bzw. Streamingdienste sein. Dafür unabdingbar ist ein superschneller Breitbandanschluss, etwa MagentaZuhause M bzw. L von der Telekom. Noch mangelt es an Zusatzgeräten, wie SAT-Receivern oder Bluray-Playern, die 4K unterstützen. Hier wird sich der interessierte Verbraucher wohl noch etwas gedulden müssen.

Zukunftssicherheit

Wer jetzt schon ein 4K-Fernseher kaufen möchte, sollte allerdings nicht nur auf den Preis achten. Zwei Features sollte das Gerät unbedingt mit sich bringen, damit nicht in wenigen Jahren schon das böse Erwachen kommt und z.B. Bluray-Player nicht kompatibel sind. Zum einen sollte das Gerät unbedingt HDMI 2.0 (ggf. aufwärts) unterstützen. Denn das ältere HDMI 1.4a (max. 10,2 GBit/s) reicht zwar vollkommen für HD, aber nicht für UHD. HDMI 2.0 verspricht eine Durchsatzrate von ca. 18 GBit/s. Der Standard ist ausreichend zur Anbindung von Geräten bis 4K@60 MHz bei 3840 x 2160p. Das „p“ steht dabei für „progressive“, also Vollbilder. Zudem unterstützt es den nochmals verbesserten Farbraum „BT.2020“ bei Ultra HD Phase 2. Quelle: hdmi.org

Sinnvoll ist zudem, dass der Fernseher den modernen HEVC-Codec unterstützt. Denn dieser ist bzw. wird wohl Standard bei Ultra HD werden. Und zu guter Letzt sollte das Gerät auch den Kopierschutz HDCP 2.2 beherrschen, da sonst womöglich künftig einige Medien nicht abgespielt werden können.


Fazit

Noch steckt UHDTV zweifelsohne in den Kinderschuhen, auch wenn die TV-Gerätehersteller beim Gang durch einen Media Markt wohl ein anders Bild zeichnen. Clevere Heimkinofans warten gg. noch etwas, bis sich langsam abzeichnet, wo die Reise hin geht und erste Kinderkrankheiten beseitigt sind. Sinn macht die Technik aktuell vor allem für jene, die eigene Inhalte abspielen wollen. Also Urlaubsbilder oder selbst gedrehte 4K-Clips. Auch wer ganz vorne bei den ersten Versuchen im Bereich 4K per Video-On-Demand dabei sein will, sollte zugreifen. Für alle anderen gibt es momentan noch wenig Gründe für einen Neukauf. Mit einer nennenswerten Anzahl an (deutschen) TV-Sendern in Ultra-HD, rechnen wir kaum vor 2018. Zunächst wird UHD im Video on Demand Bereich vorherrschend sein. Zu groß waren die Investitionen allein für den HD-Umstieg. Hier wird kaum eine Sendeanstalt für eine Minderheit erneut so schnell umrüsten.


Weiterführendes

» Interview zum neuen Videokomprimierungsstandard HEVC
» Interview mit Samsung zur IFA 2013 über die Zukunft in Punkto Ultra HD
» Interview mit Sky zu den Ultra HD Plänen



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