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Alice homeTV - Empfangsqualität Praxistest

IPTV auf Herz und Nieren geprüft!

Seit Mai 2006 bietet der Telekommunikationsanbieter Hansenet seinen IPTV-Dienst Alice homeTV an. Zunächst in Hamburg, seit 2007 auch in weiteren Städten. Wir haben den TV-Dienst von Alice mal genau unter die Lupe genommen. Was braucht man für das Fernsehen über die Internetleitung? Wie lässt sich Alice homeTV einrichten und bedienen? Ist IPTV von Hansenet wirklich eine Alternative zum herkömmlichen Fernsehen?



Empfangsqualität

Die gesendeten Datenraten der Programme variieren stark. Je nach Komplexität des Bildinhaltes werden einem Programm beim Aussenden unterschiedlich viele Daten zugeordnet. Als Hausmarke kann man von 2 bis 3 Mbit/s für ein durchschnittliches TV-Programm ausgehen. Dieser Wert sagt jedoch nur in Maßen etwas über die Bildqualität aus, denn das Ergebnis auf dem Bildschirm ist von vielen Faktoren abhängig: Vor allem von dem verwendeten Codieralgorithmus. Hier wird MPEG-4/H.264 verwendet, so kann im Vergleich zu MPEG-2 die Datenrate in etwa halbiert werden. Man könnte annehmen, dass IPTV hier mit 2,5 Mbit/s und MPEG-4 mindestens ähnlich gut darstellt wie DVB-S mit MPEG-2 und etwa 4 Mbit/s (bis maximal 6,3 bei den Öffentlich-Rechtlichen). Auf unsere Anfrage hin wurde uns auch angekündigt, dass die Bildqualität mit der vom Satelliten vergleichbar sei.
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Vorweggenommen sei hier bereits, dass das nicht möglich ist: IPTV muss qualitativ schlechter abschneiden als Sat, weil auch Hansenet die eingespeisten Fernsehprogramme vom Satelliten übernimmt und vor dem Aussenden erneut verlustbehaftet codiert.

Wir haben den direkten Vergleich zwischen Sat und IPTV gemacht. Per Splittscreen-Verfahren ließen wir das Satelliten-Bild parallel zum IPTV-Bild darstellen. Was uns als erstes aufgefallen ist: Das IPTV-Bild ist gegenüber dem Satelliten-Bild (über ASTRA) wegen der Signalverarbeitungszeit bei Hansenet um 6,7 sec. verzögert. Das ist erheblich, wenn man an Telefonmehrwertdiensten wie z.B. Quizsendungen teilnehmen möchte.

Den Vergleich zwischen Sat und IPTV haben wir als erstes für die öffentlich-rechtlichen Programme gemacht. Denn die senden per Satellit mit etwa 6 Mbit/s und schneiden auf dem anspruchsvollen LCD deshalb relativ gut ab. Alice homeTV liefert auf den ersten Eindruck ein gutes Bild. Doch im direkten Vergleich mit Sat zeigen sich die Schwächen. Das IPTV-Bild macht einen vergleichsweise unscharfen, verwaschenen Eindruck. In unseren Testbildern einer ZDF-Sendung zeigt sich, dass das Referenz-Bild per Satellit insgesamt ausgewogener erscheint.



Im Direktvergleich homeTV vs. ASTRA schneidet das IPTV-Bild schlecht ab. Es wirkt nicht so detailliert, nicht so ausgewogen und nicht so scharf wie das Satellitenbild (Datenraten sind gerundete Durchschnittswerte).  Detailansicht



Bei genauerer Betrachtung eines vergrößerten Bildausschnittes bestätigt sich dieser Eindruck. Wir haben den Vergleich anhand einer detaillierten Gesichtspartie im Programm vom DSF gemacht, das „nur“ mit etwa 4 Mbit/s (MPEG-2) per Satellit senden. Auch hier zeigen sich Schwächen bei homeTV. Das „IPTV-Gesicht“ ist durch die Eigenheiten bei der MPEG-4-Komprimierung verwaschen und wirkt leblos.


Auch bei geringeren Datenraten des Sat-Referenz-Bildes ist das homeTV-Bild
nicht sehr detailreich und ist gröber strukturiert. Zudem ist es dunkler
(Datenraten sind gerundete Durchschnittswerte).
 Detailansicht



Farben und Kontrast

Dem IPTV-Bild mangelt es an Kontrast. Das ist z.B. am Oberarm des Jackets im folgenden Bild zu erkennen. Es ist zudem längst nicht so ausdrucksstark in der Farbgebung und in der Sättigung (siehe Brötchenkorb links im Bild) wie das Sat-Bild. Es wirkt matter und nicht so natürlich.


IPTV nimmt den Bildern viel von ihrem natürlichen Kontrast und von der Farbsättigung (Datenraten sind gerundete Durchschnittswerte).  Detailansicht


Schriften

Bei diesem Testbild zeigte sich, dass es auch bei Schriften und Grafiken einen deutlichen Unterschied zwischen homeTV und der Referenz gibt. In der folgenden Darstellung wird dies genau deutlich. Der IPTV-Encoder stellt die Schriften zwar scharf dar. Aber dennoch sind sie schlechter lesbar als beim Referenz-Bild, in dem die Schriften weichgezeichnet sind. Die IPTV-Schriften wirken demgegenüber zu stark auf das eigentliche Bild aufgesetzt.


Schriften sind bei IPTV von Alice zwar schärfer als beim Satellitenbild, wirken
aber aufgesetzt, da sie nicht weichgezeichnet sind
(Datenraten sind gerundete Durchschnittswerte).
 Detailansicht

Auch im Vergleich von Programmen des Privatfernsehens (DSF), die eine deutlich geringere Datenrate verwenden, wirken die IPTV-Schriften leicht verschwommen und deshalb unausgewogen.


In der Detailaufnahme zeigt sich, dass die IPTV-Schriften ausgefranst wirken.
Die vom Satelliten sind dagegen weichgezeichnet und somit besser lesbar
(Datenraten sind gerundete Durchschnittswerte).
 Detailansicht

Alice homeTV hat sich in unserem Bild-Test einer echten Härteprüfung unterwerfen müssen. Der Vergleich mit einem Satellitenbild ist zugegebenermaßen hart, setzt aber einen Maßstab, an dem sich ein Mehrwertdienst wie IPTV messen lassen muss. Dass homeTV hier schlecht abschneidet, heißt jedoch noch nicht, dass das Fernsehbild generell schlecht ist. Für viele Nutzer wird eine ausreichende Bildqualität geboten, die mit der von DVB-T vergleichbar ist. In der Terrestrik gibt es jedoch begrenzt Kapazitäten, die eine relativ starke Komprimierung nötig machen. Diese ist bei IPTV eigentlich nicht notwendig. Und eine Erhöhung der Datenrate wäre wohl nur für wenige Nutzer mit Problemen beim Empfang verbunden.

Doch auch wenn die Datenraten nicht erhöht werden, gibt es Hoffung für alle homeTV-User. Denn die MPEG-4-Encoder auf der Sendeseite, die die Bilder komprimieren, werden sich zukünftig weiter verbessern und bessere Bilder liefern.

Spätestens, wenn HDTV-Inhalte von Alice angeboten werden und per HDMI übertragen werden, ist mit einer Besserung zu rechnen. Voraussetzung: Die Komprimierung der Bilder wird nicht so stark, wie es jetzt in Standardauflösung der Fall ist.




Audio und Radio

Der Fernseher ist per Scart-Anschluß mit der Set-Top-Box verbunden und gibt über die Fernsehlautsprecher den Standardton in guter Qualität wieder. Schließt man die Box über ein optisches Kabel an ein Audiosystem an, erwartet den Nutzer sogar HiFi-Qualität. Das gleiche gilt auch für die Radioprogramme. Will man diese öfter nutzen, empfiehlt sich zumindest der Anschluss an die Stereoanlage per Chinch-Kabel, damit man beim Radiohören den Fernseher ausschalten kann.

Das Zapping zwischen den Radioprogrammen funktioniert übrigens gut, wenn auch 65 Sender keine überaus große Auswahl bieten.




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