Das TV-Ökosystem – ein Blick in die Kristallkugel zur Zukunft des Fernsehens


Unser USA-Korrespondent Reto Stuber hat den Media Summit 2010 in New York besucht. Beim Stelldichein der Medienbranche war die Zukunft des TV ein zentrales Thema. Er zeigt in diesem Hintergrundartikel das TV-Ökosystem in seiner gesamtheitlichen Dynamik auf und erläutert die wichtigsten Thesen zur Zukunft der Branche. Mehr Fotos gibt es auf unserer Facebook-Seite.

Das Gerangel um die drei Bildschirme - IPTV-Anbieter sind in der Pole Position
Keiner hätte vor ein paar Jahren gedacht, dass sich Fernsehen auf dem Mobilfunkgerät durchsetzen wird. Viel zu klein sei der Bildschirm, die Qualität zu schlecht, zu mühsam die Konvertierung der Filme vom Computer her. Wir wurden eines Besseren belehrt.

Der Fernsehkonsum hat in den letzten 10 Jahren auf allen Endgeräten stetig zugenommen, vom Miniaturbildschirm des Handys bis zu den immer größer werdenden Plasmaschirmen. Das ist auch den Marktteilnehmern im TV-Ökosystem bewusst.

Wobei, Fernsehkonsum ist eigentlich das falsche Wort um das zu umschreiben. Der Begriff „TV“ wird laut Jason Krebs, Executive Vice President von ScanScout, in den nächsten zwei Dekaden aus unserem Wortschatz verschwinden. Seine Begründung ist plausibel: Wir werden nur noch vom großen oder vom kleinen Bildschirm sprechen. Und vermutlich wird der Bildschirm bis dahin dann vom Hologramm abgelöst, aber das ist eine andere Baustelle.

Die Teilnehmer der Konferenz waren sich einig, dass die IPTV Anbieter gute Karten haben: Sie sitzen auf einer breit ausgelegten Telekommunikationsinfrastruktur und können Internet, TV und Telefon aus einer Hand liefern – und in vielen Fällen kommt die mobile Komponente gleich mit dazu. Das öffnet natürlich Tür und Tor, um die IPTV Angebote an jedem Ort und auf jedem beliebigen Bildschirm (PC, TV oder Mobile) darzustellen. Das Konzept „Anything, anytime and anywhere“ wird Realität.

Der Faktor Mensch – was wir von den „Digital Natives“ lernen können
Die neuen Technologien durchdringen unser tägliches Leben in allen Facetten. Dadurch verändert sich auch das Verhalten der Menschen. Während man früher wie gebannt vor der Flimmerkiste saß, beantwortet man heute nebst der laufenden Sendung noch die Emails, tauscht sich über SMS oder Telefon mit Freunden zum laufenden Programm aus, probiert eine neue Applikation auf dem Smartphone aus oder surft mit dem Laptop auf dem Schoss im Netz.


Sicherlich, dieses Szenario ist noch nicht die Norm – doch die Konturen zeichnen sich ab. Das fällt spätestens dann auf, wenn man die „digital natives“ genauer beim Fernsehkonsum beobachtet. Diese ab Mitte der Neunziger Jahre Geborenen legen ein anderes Medienverhalten als alle Generationen vor Ihnen an den Tag und haben das Gen zum Multitasken bereits verinnerlicht. Die Jungmannschaft ist jederzeit mit dem Internet verbunden, und nutzt die Möglichkeiten zur sozialen Interaktion exzessiv.

Fernseh-Unterhaltung bekommt Konkurrenz
CNN Chef Jonathan Klein bringt es am Media Summit 2010 auf den Punkt: „Ich habe nicht Angst vor anderen TV Sendern - Social Networks sind die Konkurrenten, vor denen ich mich fürchte. Sie ziehen Leute von uns weg. Aber Wettbewerb macht uns alle besser.“

Klein weiß sehr wohl, dass diese sozialen Netzwerke nicht mehr verschwinden werden. Aus Sicht des Newsanbieters CNN sieht er Twitter, Facebook und Konsorten deshalb als zusätzlichen Reporter, der seine Botschaft schnell und effektiv verbreiten kann.

Für Marc DeBevoise, Senior Vice President von Starz Media, sind die Fernsehgeräte der neusten Generation ein wichtiges Instrument dazu. Diese lassen sich direkt mit dem Internet verbinden und werden eine Reihe von Web-Applikationen im Bereich Social Media und Unterhaltung direkt auf den Fernseher bringen.

Menschen wollen heute vermehrt aktiv partizipieren und ihre Meinung kundtun. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass in den USA IPTV-Anbieter wie Verizon FiOS diese Möglichkeiten in ihrem Service Angebot integrieren.

Mensch und Maschine – die konstante Entwicklung
Diese aktive Partizipation führt zu einer interaktiven Wechselwirkung zwischen Mensch und Maschine. Technologisch ist im letzten Jahrzehnt im TV-Ökosystem einiges geschehen, lassen wir diese letzte Dekade Revue passieren: Zum einen haben sich nebst dem TV alternative Unterhaltungskanäle etabliert, wie zum Beispiel der Konsum von Entertainment-Inhalte via Web oder die enorme Verbreitung von Game-Konsolen in den Wohnstuben.

Andererseits hat auch die Vielfalt der Übertragungskanäle zugenommen, und IPTV hat sich nach holprigen Anfängen zum vielversprechenden „Shootingstar“ gemausert. Neue Technologien versuchen, diese Medien- und Unterhaltungsvielfalt zu integrieren. In Deutschland ruft zum Beispiel der HbbTV-Standard zusätzliche Informationen und Möglichkeiten zu laufenden Sendungen aus dem Internet ab.

Kabelnetze vs. IPTV vs. Satellit vs. Antenne
Doch adressieren wir den Elefanten im Raum: Läuft IPTV den Kabelnetzen den Rang ab? Die Antwort ist eindeutig: Nein. Noch nicht. Die über Jahrzehnte etablierten Kabelnetzbetreiber haben eine loyale Kundenbasis, die ihr nicht von heute auf morgen den Rücken zukehrt. Das schafft etwas Zeit, um die teils dringend notwendige Modernisierung der Kabelnetze in Angriff zu nehmen.

Um für die Zukunft gerüstet zu sein, benötigt der Anbieter der Wahl einen Rückkanal aus der Stube des Konsumenten zur eigenen Schaltzentrale. Anwendungsbeispiele dafür können zum Beispiel Shopping, Chat oder Surfen via TV sein. Dieser Rückkanal ist sowohl bei IPTV wie auch Kabel gegeben.

Weniger gut bestellt ist es aber im Bereich Satellit und Antenne – diese Übertragungskanäle sind auf einen zusätzlichen „Backlink“ via Internet angewiesen. Und der Konsument muss sich die Frage stellen, wo denn der Mehrwert von Satellit und Antenne für ihn liegt.


Content is King – Inhalte sind das Wichtigste
Am Media Summit wurde viel über Inhalte referiert. Wir beobachten einen Anstieg an „User generated content – von Benutzern erstellte Inhalte“. Aber auch professionelle Inhalte nehmen zu, sogar in High Definition. In den USA empfangen bereits über 60% der Haushalte High Definition TV, der Breitbandausbau steht auf der Agenda der Regierung.

Auch in Deutschland bewegt sich das gesamte Ökosystem, bestehende Technologien werden systematisch integriert und mit Zusatzfeatures aufgewertet – wie das Beispiel HbbTV zeigt. Auch die öffentlichen Sender gehen mit gutem Beispiel voran (bspw. Olympiade in HDTV) und die IPTV-Anbieter weiten ihr Netz laufend aus.

3D kommt zu Ihnen nach Hause – morgen schon!
Nach dem Kinoerfolg Avatar folgen nun bereits die nächsten 3D Filme im Kino. Doch 3D Fernsehen wird uns schon bald in den eigenen vier Wänden beglücken. Ketzerische Stimmen behaupten, man werde sich doch zu Hause nicht mit einer doofen Brille auf die Couch setzen.

Irgendwie kommt da ein Déjà-vu Gefühl auf, an damals, als man den Handybildschirm als falsches Medium für Filme einstufte. Matthew Hong, Senior Vice President & General Manager bei Turner Sport, bläst in ein anderes Horn: „Inhaltsproduzenten warten mit einer großen 3D Initiative auf.“ Die Anbieter der Unterhaltungsindustrie haben bereits ihre 3D Fernseher und Pläne vorgestellt – die Zukunft ist bereits heute Realität. Und die Ersten, die auf den Zug aufspringen, werden die allzeit innovativen Anbieter von IPTV sein.

Doch damit hier kein Missverständnis aufkommt: Bis diese Neuerungen den Massenmarkt erreicht und gesättigt haben, wird noch einige Zeit vergehen. Aber es ist interessant, an vorderster Front zu beobachten, wohin die Reise geht!

Weiterführendes
» weiter zu "TV-Werbung im Spotlight – 1. Teil"
» weiter zu "TV-Werbung im Spotlight – 2. Teil"
» Persönliche Eindrücke und Stimmungen von der Media Summit Konferenz
» IPTV Anbieter im Vergleich


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