
Für die Umsetzung der Studie und die Quantifizierung des Angebotes im Web-TV-Monitor 2010 war es wichtig, dass einheitliche Merkmale für die Web-TV-Sender festgelegt werden. Sobald ein Internet-Angebot eines der folgenden sechs Kriterien erfüllt, wurde es in die Goldmedia-Datenbank aufgenommen.
Neben der Quantifizierung und der Typologisierung des Marktes wollten wir vor allem einen Überblick über die Nutzung von Online-Videos geben. Derzeit werden im Rahmen der mit unserer Definition erfassten Angebote über 150 Mio. Videos pro Tag abgerufen - das sind monatlich 4,7 Mrd. Videos!
Diese Zahl wird in den nächsten Jahren noch deutlich steigen. Goldmedia geht von einem jährlichen Wachstum von durchschnittlich 21 Prozent aus. Der Hauptteil der Nutzung entfällt auf die Video-Sharing-Portale und „User generated content“-Anbieter wie Youtube, von denen es ja – bezogen auf das gesamte Web-TV-Universum – vergleichsweise wenige gibt.
Wir sprechen hier von einem extremen „Fat Head-Markt“. Das bedeutet, dass die zehn reichweitenstärksten Anbieter einen Marktanteil von 93 Prozent auf sich vereinen. Neben Youtube und Co. sind vor allem die Mediatheken/Videocenter und Submarken der TV-Sender relevant.
Betrachtet man die Nutzung im Tagesverlauf, so zeigt sich eine adäquate Nutzung zum klassischen Fernsehen mit Konzentration auf den Abend. Zwischen 18 und 21 Uhr ist der Video-Traffic durchschnittlich bei allen Anbietern am höchsten. Auch mittags berichteten uns die Web-TV-Sender von einem kurzen Peak. Dabei liegt die Sehdauer, also die ununterbrochene Nutzung eines Videos, bei 9,5 Minuten pro Video. Auch hier wird nach Einschätzung der Web-TV-Anbieter ein deutlicher Anstieg in naher Zukunft erwartet.
Ein weiteres spannendes Ergebnis des Web-TV-Monitors: Online-Video-Angebote werden überwiegend kostenfrei angeboten. Nur drei Prozent der Plattformbetreiber (überwiegend Mediatheken und Videocenter) liefern Paid-Content.
Es wurden alle in unserer Datenbank aufgenommenen Web-TV-Sender angeschrieben und gebeten unseren Fragebogen auszufüllen. Darüber hinaus haben wir mit vielen verschiedenen Vertretern der Branche (Mediaagenturen, Content-Anbietern, technischen Dienstleistern, Internetkonzerne) Hintergrundgespräche geführt. Außerdem haben wir unsere Erhebung mit Pressearbeit begleitet, sodass Betroffene auch unabhängig von unserem direkten Anschreiben informiert wurden.
Videowerbung kann der Online-Werbung noch einmal einen großen Schub versetzen. Reichweitenstarke Anbieter mit professionellem Content sind heute schon oftmals mit Videowerbung weitestgehend ausgebucht. Gleichzeitig erhöhen sich die Nutzungszahlen pro Angebot, aber nicht immer im erhofften Maß.
Um die Werbeumsätze mit Online-Video-Werbung zu erhöhen, wird es notwendig werden, vor allem längere Inhalte und Clips zu vermarkten. Hier können sich dann neben „Prerolls“ auch „Midrolls“ stärker verbreiten, die während dem laufenden Video Werbung einblenden.
Dabei kann Hybrid-TV eine elementare Rolle spielen: Kommen die Online-Videos erst einmal auf dem Fernsehgerät im Wohnzimmer an, wird sich die Nutzungszeit deutlich ausdehnen und der klassischen Fernsehnutzung Konkurrenz machen. Dann kann es zu einer Verschiebung der Werbeetats kommen.
In der Tat bewegen sich beide Konzepte aufeinander zu. Durch Hybrid-TV verlagert sich WebTV zunehmend auf das heimische TV-Gerät. Andererseits werden IPTV-Angebote, aber auch zunehmend Kabelanschlüsse, durch Online-Video-on-Demand-Plattformen angereichert.
Trotzdem haben wir es mit zwei unterschiedlichen Dingen zu tun – sowohl technisch als auch vom Geschäftsmodell her. Durch Angebote wie Zattoo wird daher der klassische TV-Anschluss nicht abgelöst. Allerdings bekommen die klassischen TV-Distributoren, zu denen ich neben den Kabelanbietern auch IPTV-Provider wie die Deutsche Telekom zählen möchte, auf dem TV-Gerät sicherlich zunehmend Konkurrenz – auch durch gewichtige Player wie Apple oder Google (GoogleTV).
Der Einsatz von Videos im Internet wird immer mehr zum Standard. Denn durch das hohe Wachstum breitbandiger Internetanschlüsse, geringere Traffic-Kosten für die Übertragung großer Datenmengen und eine immer bessere Geräteausstattung der Haushalte wird die Nutzung von Web-TV zunehmend einfacher und attraktiver. Die Herausforderungen liegen v.a. in der Etablierung einer Messgröße zur Bestimmung der Reichweiten. Hier steckt der Markt leider noch immer in seinen Kinderschuhen.