IFA-Messegespräch: „Wir haben früh auf das richtige Pferd gesetzt“ - Interview mit Peter Koch, LG Manager Product Development TV Home Entertainment


Peter Koch, LG Manager

Berlin, 08.09.2015; Kein TV-Hersteller wirbt auf der diesjährigen IFA so konsequent mit der recht neuen Technologie OLED wie LG. Riesige Bildwände verdeutlichen die Leistungsfähigkeit der OLED-Fernseher, die im Moment allerdings noch im hochpreisigen Segment zu finden sind.

Wird sich das ändern? Welche Vorteile bietet die Technologie gerade im Zusammenspiel mit 4K und HDR? Wir sprachen darüber mit dem LG Manager Peter Koch.


IPTV-Anbieter.info: Vielen Dank, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben. OLED ist bei kaum einem anderen Hersteller so präsent wie bei ihnen. Welches Potential steckt hinter der Technologie?

Peter Koch: LG ist derzeit relativ allein auf weiter Flur, was das Thema anbelangt. Das liegt einerseits daran, dass wir das Thema schon sehr früh aufgegriffen haben. Andererseits haben wir – was die Technologie anbelangt – sehr früh anscheinend auf das richtige Pferd gesetzt. Das kann man daran festmachen: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein solches Panel aufzubauen. Ein Pixel besteht bei uns nicht aus drei Subpixeln, sondern aus vier. Wir haben RGB und weiß. Dadurch, dass wir weiß einsetzen, ist es sehr energiesparend. Denn wenn ich beispielsweise helle Hintergründe produzieren muss, brauche ich nicht diese drei Farben voll anzusteuern, sondern brauche nur ein Pixel hochzufahren. Ich erhöhe damit auch die Helligkeit in einzelnen Bereichen, ohne dass ich Unmengen von Energie verschwenden würde. Das führt dazu, dass das ganze langlebiger wird, dass es auch von der Abwärme deutlich besser dasteht als andere Produkte, die es bereits gab.

LG hat auch sehr früh in Patente investiert. So haben wir alles im Haus, was notwendig ist, um zu produzieren und innovativ nach vorne zu bringen. So dass der Kunde auch seinen Nutzen davon hat.

IPTV-Anbieter.info: In Ihrem Testaufbau auf der Messe kann man sich den Unterschied zwischen LCD und OLED eindrucksvoll anschauen.

Peter Koch: Man sieht es hier auf der Messe: Die Verschmelzung von OLED und HDR (High Dynamic Range a.d.R.) mit einem LCD-Fernseher daneben. Beide sind vollflächig weiß eingestellt worden, wenn man nun beide miteinander vergleicht sieht man, dass der OLED trotz der gleichen Einstellungen deutlich brillanter wird und schärfer und detailreicher als das LCD-Pendant daneben.



Die Peak-Luminanz, also die Helligkeit, die ich in einzelnen Bereichen des Bildes erzeugen kann, die liegt bei weitem über dem, was ein LCD derzeit zu leisten vermag. Das führt dazu, dass die Bilder so plastisch, so realistisch wirken. Gepaart mit dem absoluten schwarz. Nicht wie man es von einem LCD kennt, wo immer noch ein bisschen Licht von der Hintergrundbeleuchtung durchscheint. Selbst Plasma war nie absolut schwarz. Hier ist es aber so, wenn ich in einem absolut schwarzen Raum stehe und mache den Bildschirm an, gebe aber kein Signal drauf, dann erkennt man den Bildschirm nicht, denn er ist schwarz.

IPTV-Anbieter.info: Wie hoch kann man sich den Unterschied im Kontrastumfang vorstellen?

Peter Koch: Im Vergleich mit einem Fotoapparat: Ein LCD kann ungefähr 12 Blendenstufen abbilden. Ein sehr guter LCD schafft maximal 16. Ein OLED fängt bei 20 Blendenstufen erst an. Das heißt, die Nuancen, die man abbilden kann, sind wesentlich größer.

IPTV-Anbieter.info: Werden klassischen LCD-Displays in absehbarer Zeit zum alten Eisen gehören, wie vor einigen Jahren die Plasma-Technologie?

Peter Koch: Plasma ist denke ich nicht nur deshalb verschwunden weil LCD so stark geworden ist. Sondern auch weil OLED jetzt kam. Das heißt, das hat man eher als zweite Technologie auf den Markt gebracht. LCD hat derzeit einen kleinen Vorsprung um einige Jahre. Da hat man schon riesengroße Kapazitäten aufgebaut in der Produktion. Und deshalb ist der Preis von diesen Displays auch noch immer geringer als bei einem OLED. Dort bauen wir kontinuierlich aus. Das wird dazu führen, dass irgendwann vielleicht ein Moment erreicht ist, in dem OLED so teuer ist wie LCD. Aber das wissen wir noch nicht. Wir müssen schauen, wie es sich entwickelt. Derzeit hat beides am Markt seinen Bestand.

Das ist auch dem geschuldet, dass es immer Einstiegsmodelle, gute Mittelklasse und irgendwann High-End-Produkte gibt, die alles liefern. Die OLEDs rangieren derzeit noch im oberen Segment, arbeiten sich aber preislich zur Mittelklasse vor. Von der Bildqualität her, sind sie immer als Oberklasse anzusehen. Das ist Indiz dafür, dass man sich einerseits intern Konkurrenz zum LCD schafft. Doch es gibt sowohl Gründe für LCD als auch Gründe für OLED. Wer auf Bildqualität hohen Wert legt und das beste Bild haben will, was derzeit möglich ist, wird um einen OLED nicht herum kommen. Wer sagt, ich möchte zu einem vernünftigen Preis ein Gerät haben, das ein gutes Bild liefert und dem Durchschnitt genüge tut, ist mit LCD sehr gut beraten.

Letztendlich entscheidet der Konsument, was er für gut hält. Nachdem was wir bisher hier auf der Messe hören konnten, sind sehr viele von OLED überzeugt. Und ich denke, wenn sich hier am Preis noch was tut in den nächsten Monaten, wird das noch mehr zum Erfolg von OLED beitragen.

IPTV-Anbieter.info: Sie werben demonstrativ mit UHDTV und 4K. Wann ist mit einem Player für die angekündigte UHD-BluRay zu rechnen? Und wann wird sich 4K durchsetzen?

Peter Koch: Wir arbeiten hier natürlich sehr eng mit den Sendeanstalten und den Infrastrukturanbietern zusammen. Da zeichnet sich ganz klar ab, dass zuerst die kostenpflichtigen Angebote Interesse haben. Denn es stehen natürlich Investitionen dahinter, die Technik am Markt zu etablieren. Die UHD-BluRay sehe ich auch als Markttreiber, wenn sie dann kommt. Zu diesem Zeitpunkt wird es sicherlich auch ein Abspielgerät von LG geben. Auf der einen Seite sind Fernsehanstalten, die über Satellit ihr Signal verbreiten, hier im Fokus. Sky geht da sehr gut mit.

Auf der anderen Seite sind es die neuen Medien. Streams wie bei Amazon. Gestern haben wir gemeinsam bekannt gegeben, dass Amazon Streams in HDR anbietet. Das ist auf unseren Geräten bereits verfügbar. Somit hat der Konsument Möglichkeiten, diesen Content jetzt schon nach Hause geliefert zu bekommen. Netflix hat auch ein sehr breites 4K-Angebot. Und da sehen wir mehr und mehr, die auch in diese Richtung gehen. Denn die Qualitätsunterschiede kann der Kunde wahrnehmen und ist dann auch bereit, den einen oder anderen Euro mehr in die Hand zu nehmen.

IPTV-Anbieter.info: Also eines Tages nur noch in 4K und HDR?

Peter Koch: HDR ist nicht für alles gut. Also ich glaube nicht, dass man unbedingt die Nachrichtensendung und das alles in HDR sehen muss. Aber wie wir immer sagen – eventbasiert. Sprich Fußballspiele, Spielfilme, dass wird sicherlich interessant sein. Und da sitzen die Broadcaster gerade zusammen und diskutieren über eine Norm, dass man das dann auch ausstrahlen kann.

IPTV-Anbieter.info: Werden die benötigten Bandbreiten zum Problem?

Peter Koch: Wenn wir uns DVB-T2 anschauen. Da hat man einen Test gemacht. Wieviel mehr Bandbreite braucht es, wenn ich anstelle von 1080i50 oder 720p50, einfach umsetze auf 1080p50 und das übertrage? Und mit Erstaunen hat man festgestellt, wenn man einen AVC-Codec benutzt, ist der Bandbreitenbedarf Plusminusnull. Und gerade das hat den Auslöser gegeben zu sagen, wenn es jetzt fast kostenneutral ist, warum sollen wir es dann nicht machen? Möglichkeiten gibt es viele. Anbieter kommen nach und nach.

IPTV-Anbieter.info: Wo sehen sie die Innovationen der nächsten Jahre?

Peter Koch: Was es geben wird, sind bildverbessernde Maßnahmen. Es wird die Auflösung erhöht, man denkt darüber nach, die Bildwiederholfrequenz heraufzusetzen. Was man jetzt sieht ist das HDR-Thema. Dass man mehr Farbnuancen reinbringt, mehr Natürlichkeit. Das sind Dinge, die finden in der Zukunft statt. Das gibt dem Kunden dann auch wieder den Anreiz, ein neues Produkt zu kaufen. Wir vergleichen hier 2015er LCD mit einem OLED. Und der Unterschied ist da schon gewaltig. Ich mag mir nicht ausdenken, wenn ich jetzt daneben ein sechs oder sieben Jahre altes LCD-Gerät stelle. Jeder Konsument wird sich fragen, warum habe ich das damals gekauft? Und das Bild war gut, er war auch damit zufrieden. Aber im direkten Vergleich liegen Welten dazwischen. Auch die Übertragungswege werden sich darauf einstellen müssen. Das werden Entwicklungen sein, die wir in Zukunft sehen.

Eine andere Entwicklung ist Curved. LG war der erste, der Curved gemacht hat, weil wir gesagt haben, so ein OLED kann man biegen ohne Bildqualitätsverluste. Und durch das Gebogene bringt man sogar noch Plastizität in das Bild rein. Deshalb haben wir es gemacht. Der Mitbewerber hat es mit LCD gemacht, um mithalten zu können, was wesentlich komplizierter ist und sich sogar teilweise negativ auf das Bild auswirkt. Es gibt schon Tests die zeigen: Die nächste Generation von OLED ist eine Folie, die man an die Wand kleben kann. Es gibt ein Steuerungskästchen, aber der eigentliche Bildschirm ist fast zusammenrollbar. Das wird die nächste Evolutionsstufe sein.

IPTV-Anbieter.info: Noch nie waren hochwertige TV-Geräte so günstig. Ist die Talsohle schon erreicht?

Peter Koch: Mittlerweile, wenn ich mal die reinen Produktionskosten eines Panels sehe, ist man da in einem Bereich, da werden die Preise nicht mehr um den Faktor sinken, wie es bisher der Fall war. Teilweise eher im Gegenteil, da Rohstoffpreise steigen. Unter Umständen mag es sogar sein, dass Preise leicht angehoben werden. Bei OLED wiederum kann man optimieren, in dem man noch mehr Fertigungsstätten eröffnet und die Produktionsrate deutlich nach oben fährt. Da ist dann noch Raum gegeben. Umso mehr ich produziere, umso günstiger wird es.

IPTV-Anbieter.info: Sehen sie sich mit der Ausrichtung Ihres Unternehmens gut aufgestellt in einer Zeit, in der eine Marktsättigung eintritt?

Peter Koch: Die Sättigung ist eigentlich schon eingetreten, das kann man an den Absatzzahlen sehen. Aber mit einem Unterschied: Blicken wir mal zehn, fünfzehn Jahre zurück. Da hatten wir einen Markt dominiert von Röhrenfernsehgeräten. Die Endkonsumenten haben die Geräte dann ausgetauscht, wenn sie nach zehn oder gar fünfzehn Jahren kaputt gegangen sind. Und dann hat ein Trend eingesetzt mit HD. Dann haben die Leute gesagt, naja, der läuft zwar noch aber es gibt jetzt was ganz Neues. Flacher, ich kann HD sehen, die Röhre kommt jetzt in das Gästezimmer. Dann kam der Markt, der nach oben ging. Die Masse an Geräten im Markt wurde deutlich gesteigert. Der Markt ist jetzt, was Flat anbelangt, komplett ausgetauscht.

Das heißt, wir kommen jetzt zu einem Austauschmarkt. Man kauft entweder weil das Gerät defekt ist oder weil man sagt, es gibt ein neueres Gerät, was energiesparender ist, ein besseres Bild bringt und damit möchte ich mich belohnen. Dieser Markt ist von damals aus betrachtet deutlich gestiegen, aber eben nicht mehr mit diesen Wachstumsraten behaftet. Was ein Auslöser werden könnte: Wenn jetzt plötzlich UHD eingeführt werden würde, wo dann alle sagen, das muss ich jetzt haben, dies könnte einen neuen Schub bringen. Aber offen gestanden, sehe ich das noch nicht. HD-Umstieg haben wir sehr gut geschafft, es gibt ein reichhaltiges Angebot, das ist gut. UHD wird noch einige Zeit brauchen.

IPTV-Anbieter.info: Vielen Dank für das interessante Gespräch!

Bildquelle: Portraitbild: Peter Koch - © mit freundlicher Genehmigung Peter Koch, LG;
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